| 06. September 2026 | Zurück zur Artikelübersicht » |

Jubelschrei: Emil Kübler konnte sich mit den Ratingern über einen klaren Sieg freuen – und über acht Treffer auf dem persönlichen Konto. Damit war der Rechtsaußen gleichzeitig der beste Werfer des Abends. (Foto: Thomas Schmidt)
Das hier müssen wir am Anfang loswerden, weil es sonst unterzugehen droht. Wer sich über das längst als offensichtlich untauglich daherkommende Handball.net über die Lage in der 3. Liga informieren will, stößt glatt ins Leere. Wir haben eine dringende Empfehlung: Die aktuelle und richtige Tabelle ist nicht dort, aber bei uns zu finden. Was Handball.net mit dem Stand von Sonntagabend anbietet, ist vorsichtig ausgedrückt eine Frechheit. Dort findet derjenige, der sich leichtsinnigerweise auf diese Seite verirrt, immer noch die am ersten Spieltag erzielten Ergebnisse. Dass die meisten Klubs bereits zwei Partien absolviert haben? Macht wohl nix. Dass der Longericher SC sogar schon drei Mal aktiv war? Ist wohl zu vernachlässigen? Der vom Deutschen Handball-Bund und seinen Landesverbänden ausgerufene Sprung ins neue digitale und goldene Zeitalter mit seinen unendlichen Möglichkeiten ist bisher ein ganz mieser Witz. Wir empfehlen jedem dringend, unser Portal zu nutzen und an den Spieltagen bei harzhelden.news nachzuschauen, wie sich die einzelnen Mannschaften gerade verkaufen. Auf Handball.net, dem bundesweit so großen Wurf, gab es bereits in der vergangenen Saison den einen oder anderen Aussetzer und/oder Hänger. Jetzt sieht alles noch viel schlimmer aus – was unter anderem hier https://www.harzhelden.news/2026/08/10/das-neue-system-wo-fallstricke-und-chaos-lauern/ oder hier https://www.harzhelden.news/2026/09/02/realer-irrsinn-wenn-das-niveau-gar-keine-rolle-mehr-spielt/ nachzulesen ist. Das alles lässt für den Saisonstart zum Beispiel in der Regionalliga am 19./20. September wenig Gutes erwarten.
Obwohl die offiziellen Daten selbst das verschweigen: Der eine oder andere hat ihn durchaus – diesen wichtigen ersten Saisonsieg. Das trifft etwa auf Interaktiv.Handball zu, das sich am zweiten Spieltag mit einem in dieser Höhe durchaus überraschenden 30:23 (15:13) gegen die HSG Hanau (13./0:2 Punkte) den erhoffen Ausgleich fürs insgesamt weniger überraschende 33:41 zum Saisonstart beim klar favorisierten Zweitliga-Absteiger HSG Krefeld Niederrhein (Erster/4:0) verschaffte und nun über 2:2 Zähler verfügt. Davon noch ein Stück entfernt ist zum Beispiel der TuS 82 Opladen, dessen neuer Trainer Aaron Hahn diesmal sogar doppelt leiden musste. Weil er zusätzlich zu seiner Aufgabe in Opladen als Co-Trainer des Zweitligisten TSV Bayer Dormagen arbeitet, hätte er jetzt die Eigenschaft haben müssen, sich an zwei Orten gleichzeitig aufzuhalten. Dienstlichen Vorrang hatte aber die zur selben Zeit stattfindende Aufgabe der Dormagener im Norden Deutschlands beim VfL Lübeck-Schwartau, sodass die Verantwortung bei den Opladenern in den Händen seines Co-Trainers Fabrice Voigt lag – was für sich genommen sicher kein Problem war. Was Voigt zu übermitteln hatte an Hahn, der in Lübeck ein 31:43 seiner Dormagener erleiden musste, taugte allerdings nicht als Stimmungs-Aufheller: Der TuS 82, der zum Auftakt mit 31:34 beim TV Kirchzell (Zehnter/2:2) verloren hatte, zog im Derby beim Longericher SC – was nicht hätte sein müssen – mit 29:31 den Kürzeren und steht auf Rang 14 (der erste der drei Abstiegsplätze) weiter ohne einen einzigen Zähler da. So geht es auch den Bergischen Panthern, die nach dem 28:32 bei der HG Saarlouis (Vierter/4:0) mit dem 35:39 gegen Saase3 Leutershausen (Dritter/4:0) ebenfalls die zweite Niederlage im zweiten Spiel hinnehmen mussten und für den Moment sogar Letzter sind. Auf jeden Fall vermeidbar war das 33:34 des TSV Bayer Dormagen II im Duell der Aufsteiger beim HV Vallendar (Neunter/2:2), doch durchs 28:28 vom Auftakt bei der TSG Münster (Fünfter/3:1) hat das Team von Trainer Peer Pütz mit 1:3 Punkten (Elfter) wenigstens kein ganz leeres Konto. Ausgeglichen ist nun das des Longericher SC (Sechster/3:3), der bereits drei Mal im Einsatz war – 30:30 gegen die HSG Rodgau Nieder-Roden (Zwölfter/1:3), 24:27 gegen den TV Gelnhausen (Zweiter/4:0, vorgezogen vom dritten Spieltag), 31:29 gegen Opladen.
Das vor dieser Saison weiter verjüngte Team der Ratinger legte mit dem 4:1 (5.) einen schwungvollen Beginn hin und lag auch beim 6:3 (8.) und 7:5 (13.) vorne, ehe sich Hanau defensiv steigerte und einigen Sand in die Angriffe der Hausherren streute. Mit dem 7:9 (19.) drohte der Mannschaft von Trainer Filip Lazarov der Abend vorübergehend sogar zu entgleiten, aber die Antwort auf die Flaute von mehr als sieben Minuten war deutlich: Tjark Seher vollendete drei Sekunden vor der Pause mit dem 15:9 (30.) einen starken 8:0-Lauf. Nicht nur hier war Keeper Sebastian Bliß, der zahlreiche Top-Paraden zeigte, der beste Mann auf der Platte und nach dem Seitenwechsel trug er ebenfalls eine Menge dazu bei, dass Interaktiv praktisch nie ernsthaft in Gefahr geriet. Nach dem 22:12 (42.) von Emil Kübler gegen phasenweise fast hilflose Hanauer betrug der Vorsprung sogar zehn Tore, bevor auf der Zielgeraden die Fehlerquote ein Stück nach oben kletterte und die HSG gleichzeitig um so etwas wie Schadensbegrenzung bemüht zu sein schien. Richtig spannend wurde es allerdings selbst mit dem 28:22 (56.) nicht mehr, zumal Frederik Waldbach und Lennart Schröder bald auf 29:22 (58.) und 30:22 (59.) erhöhten. Der spielende Sportliche Leiter Stanko Sabljic zeigte sich sehr zufrieden mit der Leistung der Hausherren, ohne dabei abzuheben: „Das war ein sehr, sehr gutes Auftreten von uns. Ab der ersten Minute waren wir sehr stabil in der Abwehr. Ich finde, wir haben eine super Abwehr gespielt die ganze Zeit, mit einem sehr starken Sebastian Bliß im Tor. Das hat uns zu einer sehr hohen Führung gebracht. Am Ende haben wir souverän gewonnen, das war ein verdienter Sieg. Ich finde, wir müssen weiter an den Inhalten arbeiten und uns noch mehr mit der Abwehr beschäftigen, damit wir unsere Stabilität und Sicherheit für den Angriff haben.“

Letzteres wünschen sie sich wohl auch bei den Opladenern, die in Longerich zwar in der Regel einem Rückstand hinterherlaufen mussten, sich am Ende aber für den Nachweis ihrer guten Moral nichts kaufen konnten. Fabrice Voigt fühlte sich immer wieder an den Saisonstart in Kirchzell erinnert: „Das deckt sich ein bisschen. Wir machen in entscheidenden Situationen zwei, drei Fehler zu viel, wir haben da nicht die Ruhe und Geduld, die Sachen sauber zu spielen. Wir verwerfen auch wieder zu viel in entscheidenden Situationen. Und dann wird es schwer auswärts, wenn die Mannschaft drüben genauso stark ist – und Longerich weiß, was sie spielen. Sie machen in den entscheidenden Situationen halt ihre Tore, wir nicht.“ Übers 0:3 (3.) fanden die Gäste nach dem 5:9 (13.) erst mit Verspätung in die Partie und ab dem 15:15 (30.) waren sie ein echte Gefahr für die Kölner, die sich aber nachher erneut mehrmals absetzen konnten – 20:17 (38.), 21:21 (42.), 24:21 (46.), 27:24 (51.). Im größeren Teil der zweiten Halbzeit nicht mehr dabei: Opladens Moritz Levin Werschkull, der in der 35. Minute wie später Longerichs Marian Dahlke (48.) die Rote Karte sah. Obwohl der nie aufgebende und meist auf Augenhöhe agierende TuS 82 nach dem 26:27 (54.) und vor allem nach dem 27:28 (58.) dicht vor was Zählbarem stand, musste er wenig später mit leeren Händen von der Platte gehen. Voigt zeigte sich dennoch zuversichtlich mit dem Blick nach vorne: „Wir waren mannschaftlich geschlossen. Wir haben eine über weite Strecken wirklich stabile Abwehr gestellt, wir haben den Kampf angenommen. Das ist die Basis für unsere Spiele auch in der Zukunft. Deswegen sind wir sehr optimistisch, dass bald die ersten Punkte kommen.“
So enttäuscht wie die Opladener waren auch die Dormagener, die sich die knappe Niederlage in Vallendar selbst zuzuschreiben hatten. Die junge Mannschaft von Trainer Peer Pütz hatte in Sachen Tempo zwar Vorteile, aber Nachteile in Sachen Cleverness und Konsequenz – weshalb sich unter dem Strich eine abwechslungsreiche Partie auf Augenhöhe mit wechselnden Führungen ergab. Drei Hauptprobleme hatte der TSV Bayer zu bearbeiten – und sie hatten einiges damit zu tun, dass die allgemein bisweilen wenig stabile Deckung besonders Vallendars Top-Werfer Torben Waldgenbach (elf Treffer/einer per Siebenmeter) meistens überhaupt nicht unter Kontrolle bekam. Darüber hinaus ließen die Gäste selbst zu viele klare Gelegenheiten aus, wobei sie nicht selten am glänzend haltenden HV-Keeper Erik Hodur scheiterten. In Sachen Moral und Einsatz brauchten sich die Dormagener dagegen wenig vorzuwerfen, zumal sie im ersten Durchgang einen 9:13-Rückstand (24.) wegsteckten, bereits am Ende der ersten Hälfte mit dem 13:15 (29.) wieder den direkten Kontakt hatten und am Anfang des zweiten Durchgangs schnell zum 15:15 (32.) ausgleichen konnten. Als Emil Scheel und Finn Hoffmann aus dem 21:21 (43.) das 22:21 (43.) und 23:21 (45.) gemacht hatten, schien der Weg zu einem Sieg geebnet zu sein – 25:23 (47.), 26:24 (48.). Bis zum 29:28 (54.) durch Marvin Landau standen die Zeichen dann ganz gut für den TSV, der anschließend jedoch eine Überzahl (54./Zeitstrafe gegen Vallendars Luka Kersten) nicht für sich nutzen konnte und plötzlich wieder mit 29:30 (55.) zurücklag. Beim 30:30 (56.), 31:31 (56.) und 32:32 (58.) war weiter was Zählbares drin, aber der HV konnte in dieser zentral wichtigen Phase die entscheidenden Treffer setzen – 33:32 (58.), 34:32 (59.). Das 33:34 (60.) von Landau brachte die Dormagener anschließend nicht mehr wirklich weiter und Vallendar den knappen Vorsprung unter anderem über eine Auszeit ins Ziel. Trainer Pütz sah in seiner Bilanz sowohl Schatten als auch Licht: „Wir haben gegen einen guten Mitaufsteiger gespielt, der bei seinem ersten Heimspiel natürlich viel Euphorie in der Halle hatte. Gerade in der ersten Halbzeit waren wir mental nicht auf der Höhe und nicht bereit genug für diese Situation. Dadurch sind wir in Rückstand geraten. Ab Mitte der ersten Halbzeit haben wir es im Angriff deutlich besser gemacht. Wir haben das Spiel in der zweiten Halbzeit gedreht und waren sogar mit zwei Toren vorne. Am Ende waren es dann auch einige unglückliche Situationen – Abpraller, die wir nicht bekommen, oder Zeitstrafen, die mit dazu geführt haben, dass wir das Spiel nicht für uns entscheiden konnten. Über das gesamte Spiel haben wir gegen das Sieben-gegen-Sechs nicht gut gestanden. In der zweiten Halbzeit hatten wir außerdem zu große Probleme mit Torben Waldgenbach.“
Interaktiv.Handball – HSG Hanau 30:23 (15:9).
Interaktiv.Handball: Bliß, Windeck – Schulz (3/2), Venedey, Szabo (4), Waldbach (2), Stock, Sibbel (3), Kübler (8), Körber (1), Seher (4), Schröder (2), Poschacher (1), Megale, Sabljic (2).
Longericher SC – TuS 82 Opladen 31:29 (16:15).
Longericher SC: Kull, Babic (1) – Schrief, Pyszora, Henrich (3), Richter (2), Bertenbreiter, Wörmann (2), Breithaupt (1), Leitz (1), Schulz (3/1), Nolting (2), Kremp (8), Dahlke (2), Kämper (6).
TuS 82 Opladen: Beckert, Mohr – Mucha (4), Gießelmann (4/2), Dittmer (4/1), Heinzerling (2), J. Jagieniak, Emmerich (1), F. Johannmeyer (3), Sonnenberg (4), Kostorz, Werschkull (3), L. Johannmeyer (1), Heß (2), Klück, Roth (1).
HV Vallendar – TSV Bayer Dormagen II 34:33 (15:13).
TSV Bayer Dormagen II: Elonamany, Conzen – Landau (8/6), Almendinger, Scheel (2), Lidolt (2), Deist, Unbehaun (3), Döpner (1), Naumann (1), Hoffmann (8), Leitz (5), Kersten, Adam (3), Marcus, Hahn.
Bergische Panther – Saase3 Leutershausen 35:39 (12:18).
Bergische Panther: Merten, Eigenbrod – Müller (7), Hermann (2), Taymaz (4), Lindemann (6), Exner (3), Lorenz, Schütte, Ballmann (4), Büscher (2), Elsässer (7/3).
HLZ Friesenheim-Hochdorf II – HSG Krefeld Niederrhein 26:38 (19:12).
HSG Krefeld Niederrhein: Rüspeler, Borucki – Kix (8), Wollny (4), Schneider, Kösters, Siegler (6), Michalski (1), Braun (1), Jagieniak (5), Persson (2), Ingenpaß (3), Rose (2), Papina (6/3), Mevissen.
Longericher SC – TV Gelnhausen 24:27 (11:11/vorgezogen vom 3. Spieltag).
Longericher SC: Kull, Babic – Schrief, Pyszora (1), Henrich (2), Richter (2), Bertenbreiter, Wörmann (1), Breithaupt, Leitz (1), Schulz (6/2), Nolting (1), Kremp (7), Dahlke, Kämper (3).