DHB-Pokal
Trotz Niederlage: Aachen feiert Karneval
Der Regionalligist verliert erst nach Verlängerung mit 33:34 gegen den Drittligisten TSB Horkheim.

Starke Leistung: BTB-Keeper Niclas Elsen trug mit einigen Paraden dazu bei, dass seine Aachener dem Favoriten lange die Stirn boten. (Foto: Thomas Ellmann)

Das Spiel hat alles, was den Handball ausmacht. Hier steht der Außenseiter BTB Aachen aus der Regionalliga Nordrhein, da der Favorit TSB Heilbronn-Horkheim aus der 3. Liga Süd. Grundsätzlich scheinen die Hausherren keine Chance zu haben, weil sie in der Vorbereitung auf die nächste Saison erst ziemlich am Anfang stehen und Heilbronn kurz vor dem Meisterschaftsstart. Doch es kommt alles anders. Am Ende feiern die rund 400 Zuschauer Karneval mitten im August. Nach dem 14:15 aus der ersten Hälfte und dem 28:28 nach der zweiten geht es in die Verlängerung, in der alles möglich ist – bis Aachen auf das 33:34 keine Antwort mehr findet. Ein letzter Versuch des langen Felix Horn landet in der Heilbronner Abwehrmauer.

Was der Drittligist an körperlichen Vorteilen hat, macht BTB durch Einsatz und Leidenschaft wett. Der spielerische Höhepunkt des Nachmittags gehört ebenfalls den Gastgebern. Regisseur Simon Breuer setzt Linkshänder Carsten Jacobs millimetergenau zum Kempa-Trick in Szene, der die 5:3-Führung bringt. Spätestens hier muss dem Drittligisten klar sein, dass er die Aufgabe nicht mit einem Minimum an Aufwand wird lösen können – was er trotzdem probiert. Im Duell mit immer wieder wechselnden Führungen gerät Aachen sechs Sekunden vor dem Ende mit 27:28 ins Hintertreffen, kommt jedoch nach dem folgenden Blitzangriff zu einem Siebenmeter und dem 28:28 durch Philipp Wydera. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt angelangt.

Breuer (30:29/31:30), Jacobs (29:28), Daniel Oslender (32:32) und Wydera (33:33) halten den Regionalligisten in der Verlängerung über zweimal fünf Minuten im Rennen, ehe der Wurf von Wydera neben dem Tor landet. Aachen kommt tatsächlich noch einmal an den Ball – und scheidet wenig später sehr unglücklich aus. Der Trost für die zunächst trotz einer großen Leistung geknickte Mannschaft kommt von den Rängen, denn die Fans feiern ihr Team wie nach einem triumphalen Sieg. Routinier Breuer trägt das Ergebnis mit Fassung: „Alles in Ordnung. Wir haben uns nichts vorzuwerfen.“ Trainer Martin Becker ist stolz auf den Auftritt seiner Spieler und er lobt zugleich die Arbeit der an der Ausrichtung des Turniers Beteiligten: „Ich kann mich nur bedanken. Toll, wie wir das alles geschafft haben.“

Linkshänder Jacobs, mit seinen zehn Treffern der Spieler des Spiels, hätte gut und gerne eine zweite Verlängerung vertragen. „Zehn Minuten wären schon noch gegangen.“ Dann hätte er 80 Minuten in den Beinen gehabt, weil er als einziger BTB-Handballer zuvor keine einzige Sekunde Pause findet. So ist das vielleicht, wenn Aachen Karneval feiert. Für Müdigkeit oder eine Pause ist später Zeit.

BTB Aachen: Dosch, Schuler, Elsen – Wydera (6/2), Saive-Pinkall, Bleuel, Jacobs (10/3), Oslender (5), Breuer (7), Bokmamnn (1), Uerlings, Horn (2), Bardak, Lutz, Kasgens, Zylus (2).