2. Bundesliga
Essen bleibt kühl, Dormagen ohne Happy End
TuSEM dreht klaren Rückstand zum Sieg in Aue. Dormagen ist beim ASV Hamm-Westfalen dicht dran.

Geht doch: Trainer Jamal Naji, Dennis Szczesny und Lucas Firnhaber (von links) konnten am Ende einen Essener Sieg beklatschen. (Foto: Thomas Schmidt)

EHV Aue – TuSEM Essen 28:32 (14:13). Der Bundesliga-Absteiger durfte erleichtert aufatmen, weil ein Erfolg am ersten Spieltag im Erzgebirge keinesfalls als selbstverständlich gelten durfte. Und vornehmlich die erste Viertelstunde bestätigte die Einschätzung von Trainer Jamal Naji, dass Essen vor einer schwierigen Aufgabe stehen würde. Weil der Vorjahresfünfte Aue seine bekannten Stärken in die Waagschale warf und höchsten Einsatz zeigte, hieß es plötzlich 8:4 (14.) für Aue. TuSEM wirkte nicht frei, sondern vor allem suchend – und fand tatsächlich in einen besseren Rhythmus. Am Ende ging der Erfolg zweifellos in Ordnung,  weil Najis Team auf der Zielgeraden dominierte und zudem in manchen Szenen seine spielerische Klasse andeutete. Höhepunkt war der hohe Pass von Tim Rozman auf Justin Müller, der den Ball im (Lande-) Anflug aufnahm und als Kempa-Treffer zum 21:20 (45.) verwertete.

Dieses Tor war erst die zweite Führung der Essener, die sich am Anfang deutlich zu viele Fehler erlaubten – selbst nach der Steigerung zum 8:8 (19.). Dass es nicht noch enger wurde, lag unter anderem an der starken Vorstellung von Torhüter Sebastian Bliss, der immer wieder Gegentreffer verhinderte – auch in der zweiten Hälfte, als das Duell beim 18:18 (39.) weiter auf der Kippe stand. Zwei Bliss-Paraden und das 19:18 (42.) durch den überzeugenden Tim Rozman leiteten die Wende zum Happy End für TuSEM ein, das sich nun nicht mehr vom Weg zum Sieg abbringen ließ und oft richtige Antworten fand. Mit dem 6:2-Lauf v0m 20:20 (44.) bis zum 26:22 (50.) machte TuSEM bereits alles klar und brachte das Polster sicher über die Distanz, obwohl Aue zuletzt mit einer offenen Manndeckung alles versuchte. Fazit aus Sicht der Gäste: Der Start ist geglückt – und Luft nach oben da.

Naji nahm die beiden Punkte mit einer Mischung aus Erleichterung und Stolz auf: „Das war ein sehr, sehr wichtiger Auswärtssieg und ein Hexenkessel hier in Aue – wie erwartet. Ich glaube, hier werden noch einige Mannschaften Punkte lassen. Wir haben immer kühlen Kopf bewahrt, auch beim Vier-Tore-Rückstand. Mit Sebastian Bliss hatten wir einen überragenden Rückhalt und mit Tim Rozman einen überragenden Angreifer.“ Natürlich war aus seiner Sicht ebenfalls Steigerungspotenzial erkennbar. „Spielerisch war noch nicht alles zur vollsten Zufriedenheit“, fand der TuSEM-Coach, „wichtig war aber vor allem, dass wir unseren Matchplan durchgezogen und sehr diszipliniert gespielt haben.“ 

TuSEM Essen: Bliss, Diedrich – Beyer (6/4), Rozman (6), Dangers (4), Becher, Ignatow, Szczesny (1), Bergner (1), Müller (4), Glatthard, Firnhaber (3), Seidel, Morante Maldonado (4), Klingler (3).

 

ASV Hamm-Westfalen – TSV Bayer Dormagen 24:22 (14:10). Dusko Bilanovic bewies – wie immer – Größe auch in der Niederlage. Die Partie war noch keine halbe Minute vorbei, als sich der Dormagener Coach per Handschlag von den Schiedsrichtern verabschiedete – trotz seiner Enttäuschung, die nach einer leidenschaftlich geführten Auseinandersetzung und einer furiosen Aufholjagd groß gewesen sein muss. Wie die Gäste nach einem 16:20-Rückstand (48.) in die Partie zurückkamen und sogar in Führung gingen, verdiente auf jeden Fall viel Respekt. Dass zwei Minuten vor dem Ende beim 22:22 (57.) weiter alles drin war, macht das Finale dann sogar doppelt schmerzhafter für die Gäste. Aus dem möglichen 23:22 wurde nichts, während der glücklichere ASV die Treffer zum 23:22 (59.) und 24:22 (60.) nachlegen konnte.

Bilanovic hätte als Erklärung anführen können, dass Dormagen mit größeren personellen Problemen in die Partie gehen musste – weil in Joshua Reuland, Alexander Senden, Jaka Zurga, Jan Reimer und Lucas Rehfus (alle verletzt) gleich fünf Spieler aus dem Kader fehlten. Deshalb mussten Stammkräfte wie Ian Hüter oder André Meuser in der Auftaktpartie mit entsprechend hoher Belastung nahezu ohne Pause auf dem Feld stehen. Dass Rückraumspieler Ante Grabavac in der 48. Minute humpelnd auf die Bank musste, machte die Aufgabe für den TSV Bayer dann zusätzlich komplizierter – und es war beim Stande von 19:19 trotzdem nicht das Ende aller Hoffnungen, weil Hamm plötzlich zu wackeln begann. Vergessen waren auf einmal die Phasen, als Dormagen mit 5:9 (17.), 9:13 (26.), 10:14 (30.) oder 15:19 (42.) im Hintertreffen lag. Die beiden Kontrahenten lieferten sich besonders auf der Zielgeraden einen Kampf auf Augenhöhe, in dem nur Winzigkeiten den Ausschlag gaben. Wären nicht zwei Bayer-Angriffe in den letzten 120 Sekunden ins Leere gegangen, hätte der Sieger des Samstags-Krimi genauso Dormagen heißen können.

TSV Bayer Dormagen: Juzbasic, Simonsen – M. Köster, Meuser (5), Leitz, Biernacki, I. Hüter (3), P. Hüter (5), Johannmeyer, Sterba (1), Grabavac (3), Seesing, Mast (5).