Oberliga Mittelrhein
Nümbrecht verliert ersten Punkt – und ist trotzdem „Winter-Meister“
Der MTV Köln nimmt dem Spitzenreiter in letzter Sekunde einen Zähler ab. Auch das Top-Spiel zwischen Siebengebirge und Dormagen II endet vor 700 Zuschauern unentschieden. Ab Platz acht steckt die halbe Liga im Abstiegskampf, abgeschlagen bleibt nur Schlusslicht Stolberg.

Eiskalt vom Punkt: Michel Kalisch (am Ball) behielt bei der letzten Aktion die Nerven und versenkte für seinen MTV Köln beim Spitzenreiter SSV Nümbrecht den finalen Siebenmeter zum 29:29-Endstand. (Foto: Thomas Schmidt)

Jetzt hat es auch den SSV Nümbrecht erwischt und der Spitzenreiter der Oberliga Mittelrhein musste beim 29:29 gegen den MTV Köln den ersten Punkt in dieser Saison abgeben. Warum die Oberbergischen den kleinen Makel auf ihrer bisher weißen Weste gut verkraften können: Mit 27:1 Zählern ist der SSV weiter klar Erster vor dem TSV Bayer Dormagen II (24:4), der seinerseits bei der HSG Siebengebirge ebenfalls nur zu einem Remis kam (31:31). Somit steht jetzt schon fest: Die Nümbrechter werden Weihnachten und Silvester als Tabellenführer verbringen und auch in 2023 als Favorit auf die Meisterschaft starten. Dabei sah es gegen den MTV zunächst so aus, als könnten die Hausherren ihre Siegesserie ausbauen. Vom 4:4 (13.) setzte sich der SSV auf 14:9 (25.) ab und er schien auch nach dem Seitenwechsel beim 21:17 (39.) noch auf dem richtigen Weg. Die Gäste dachten aber ihrerseits nicht ans Aufgeben und drehten die Partie durch einen 5:0-Lauf zum 22:21 (48.) aus ihrer Sicht. Es war der Auftakt für eine spannende Schlussphase mit wechselnden Führungen. Nach dem 29:28 (59.) für Nümbrecht hatten die Kölner noch einen letzten Angriff, den Jannik Lang nur unsauber stoppen konnte. Zur Roten Karte für den SSV-Akteur gab es einen finalen Siebenmeter, den Michel Kalisch mit der Schluss-Sirene zum 29:29-Endstand verwandelte. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, wie wir uns zweimal zurückkämpfen. Für den Sieg machen wir trotz Führung am Ende zu leichte Fehler im Tempospiel“, fand MTV-Trainer Moritz Adam.

Ein Spitzenspiel war auch die Begegnung zwischen Siebengebirge und den Dormagenern, bei dem die Hausherren den wieder rund 700 Zuschauern vor der Partie und in der Pause ebenfalls ein starkes Programm boten. Gäste-Trainer Martin Berger war begeistert: „Dann sind da 30, 40, 50 Kids und Jugendspieler haben das Ganze angeleitet und haben die Zeit super genutzt, um neue Kinder für den Handballsport zu gewinnen. Da muss man mal ein ganz großes Lob aussprechen, das hat die HSG großartig gemacht.“ Auf dem Feld erwiesen sich die Gastgeber auch als erwartet starker Gegner und ie gingen vor der Pause mal mit 14:9 in Führung (23.). Dormagen schlug aber noch vor dem Seitenwechsel zurück – 14:14 (30.). Im zweiten Durchgang gab es weiter ein ausgeglichenes Spiel mit wechselnden Führungen. Kurz vor dem Ende hatte die Bayer-Zweite dann beim 30:28 (57.) die besseren Aussichten. Oliver Dziendziol besorgte aber das 30:30 (59.) und hatte zudem mit dem 31:31 (60./Siebenmeter) das letzte Wort. „Es ist eine gerechte Punkteteilung. Beide Mannschaften hatten genügend Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen“, fand Berger. Sein HSG-Kollege Lars Degenhardt sah die Sache ähnlich: „Letztlich denke ich, geht das Ergebnis so in Ordnung. Wenn beide Mannschaften im Laufe des Spiels die Gelegenheit hatten, das Spiel für sich zu entscheiden, ist das wahrscheinlich wirklich das gerechte Ergebnis.“

Der TV Birkesdorf setzt seinen positiven Trend fort und das 27:25 gegen den TV Palmersheim war für die Dürener jetzt schon das siebte Spiel in Serie ohne Niederlage. Gegen den starken Aufsteiger, der erneut mit zahlreichen Fans angereist war, blieb die Partie über 55 Minuten lang komplett ausgeglichen – 25:25 (56.). Jakob Ernst (57.) und Kiril Risteski (58.) erzielten dann das 27:25, auf das die Gäste keine Antwort mehr fanden. „Wir haben einen kühlen Kopf bewahrt in einer sehr hitzigen Partie gegen ein sehr starkes Palmersheim, das deutlich unter Wert in der Tabelle steht“, fand Birkesdorfs Sportvorstand Luca Feistkorn. Der Aufsteiger steckt bei 10:18 Punkten als Elfter tatsächlich mitten im Feld der Teams, die sich wohl bis zum Ende einen harten Abstiegskampf liefern werden. Entsprechend ärgerte sich Coach Peter Trimborn über die verlorenen Punkte: „Wir haben Birkesdorf über weite Strecken vor starke Probleme gestellt. Sie haben zwar gewonnen – auch Glückwunsch dafür. Aber wenn wir einen Punkt oder zwei Punkte mitgenommen hätten, hätte ich Birkesdorf nicht beschweren können.“

Dem ASV SR Aachen scheint zum Jahresende etwas die Puste auszugehen. Das 24:37 beim Longericher SC II war jetzt schon die vierte Partie in Folge ohne Sieg und die Mannschaft von Trainer Cornelius Hesse ist bei 11:17 Zählern auf Platz neun abgerutscht. Bei den starken Kölnern (Dritter/21:7) legten die Gäste zwar das 3:0 vor (3.), beim 4:4 (7.) war die Partie aber wieder ausgeglichen. Das blieb so bis zum 9:9 (22.), bevor der LSC über das 16:10 zur Pause und das 22:11 (36.) die Basis für den klaren Erfolg legte. Für Longerichs Coach Frederic Rudloff waren hier die Steigerung in der Abwehr und die Umstellung auf eine 5-1-Deckung entscheidend: „Wir sind dann aus einer guten Abwehr viele ‚Erste-Welle-Tore‘ angelaufen. Unsere Außen haben 25 oder 26 Tore insgesamt gemacht.“ Ärgerlich war für den HC Weiden II auch die 25:27-Niederlage gegen die HBD Löwen Oberberg, durch die die Gäste mit dem HC in der Tabelle gleichzogen. Beide Teams gehören mit 9:19 Punkten ebenfalls zur Gruppe der höchst gefährdeten Mannschaften. Dabei gerieten die Weidener nach dem 3:3 (8.) mit 4:10 in Rückstand (18.) und ie liefen im Anschluss lange hinterher. Die Hausherren gestalteten die Aufholjagd zunächst allerdings erfolgreich – 17:17 (42.). Die Chance zur eigenen Führung vergab der HC aber. Stattdessen musste die Zweite des Regionalligisten kurz darauf wieder viel investieren, um das 20:23 (52.) auszugleichen – 24:24 (57.). Nach dem 25:25 (58.) hatten die Gäste das letzte Wort – 25:27 (60.). „Ein Remis wäre eigentlich das faire Ergebnis gewesen, da wir das Spiel in der Defensive gut im Griff hatten“, fand Weidens Coach Philipp Havers, der bei seinem Team insgesamt zu viele einfache Fehler ausmachte.

Ein bisschen mehr Sicherheit brachte dem TV Rheinbach der 32:31-Erfolg bei Fortuna Köln. Die Rheinbacher liegen als Achter (13:15) im Mittelfeld, während die Fortuna auf den vorletzten Platz zurückrutschte (8:20). Die Gäste lagen dabei über weite Strecken des Spiels vorne und drehten das Kölner 6:5 (11.) zum eigenen 10:6 (17.) und 14:9 (21.). Die Fortuna – mit zuvor zwei Siegen in Folge im Rücken – steckte allerdings nicht auf, kam zum 20:20-Ausgleich (37.) und holte später selbst das 21:26 (46.) wieder auf – 30:30 (58.). Till Christopher Bittner besorgte in der Schlussminute den 32:31-Siegtreffer für Rheinbach, der letzte Kölner Angriff brachte nichts mehr ein. „Das waren heute zwei wichtige Punkte für uns, wir konnten uns ein bisschen Luft auf die Abstiegsränge verschaffen und nach den fünf zum Teil herben Niederlagen in Folge mal wieder ein Erfolgserlebnis verbuchen“, fand Rheinbachs Coach Jan Hammann.

Noch etwas gesicherter steht der TuS 82 Opladen II da, der nach dem 35:32 über den TV Jahn Köln-Wahn bei 15:13 Zählern sogar ein positives Konto aufweist. Dabei bekamen die Hausherren die Partie nach der Pause gut in den Griff und waren beim 27:20 (45.) schon auf dem richtigen Weg. Der Vorsprung schmolz aber und beim 33:31 (58.) war für die Gäste plötzlich wieder ein Punkt in Sichtweite. Opladen behielt die Nerven und schlug entscheidend zurück – 35:31 (59.). „Es war ein merkwürdig hektisches Spiel. Wir führen in der zweiten Hälfte mit sieben Toren. Da hätte ich mir gewünscht, dass wir das da locker runterkriegen. Dann kam noch einmal ein bisschen Hektik rein, dann dachten wir noch mal, wir müssen ein paar schnelle Würfe nehmen, ein paar schnelle Kreisanspiele – und haben es dadurch noch mal ein bisschen spannend gemacht“, fand TuS-Coach Phillip Jäger. Sein Wahner Kollege Thomas Radermacher sah das Problem seiner Mannschaft vor allem in der Defensive: „Insgesamt muss man sagen, dass meine Männer vorne sogar noch ziemlich viel falsch gemacht haben. Trotzdem werfen wir 32 Tore, aber dass wir hier 35 Tore kassieren, ist natürlich viel zu viel. Aber das ist im Augenblick einfach so die Situation bei uns, dass wir solche Spiele so verlieren. Sehr ärgerlich ist auch, dass kurz vor dem Spiel drei Spieler absagen mussten und ein Spieler angeschlagen mitgespielt hat. Wir hatten in dieser Woche zum ersten Mal seit neun Wochen wieder alle Mann beim Training und hatten uns mega gefreut, mal wieder mit einem vollen Kader irgendwo zu sein. Dass dann am Samstag die Hiobsbotschaften eintrudeln, was natürlich auch nicht zielführend.“

Der Pulheimer SC feierte im Abstiegskampf einen wertvollen 40:28-Erfolg beim nach wie vor sieglosen Schlusslicht Stolberger SV (1:27). Die Hornets um ihren Trainer Kelvin Tacke verbesserten sich somit selbst auf Platz zehn (10:18). Trotz personeller Probleme war der Erfolg der Gäste kaum gefährdet und schon vom 10:10 (16.) legte Pulheim bis zur Pause ein 22:15 vor (30.). Mit dem 32:19 (46.) war die Frage nach dem Sieger bereits beantwortet. „Das Spiel fand für uns unter denkbar schlechten Umständen statt. Mittlerweile fallen sieben Spieler aus und ich musste auch erkrankt passen. Aber die Truppe hat es richtig gut gemacht und nach anfänglichen Schwierigkeiten gegen die offensive 4:2 des Gegners immer wieder gute Lösungen gefunden. Dazu stand die Abwehr gut und wir haben einen verdienten Sieg eingefahren“, fand Tacke.

 

SSV Nümbrecht – MTV Köln 29:29 (14:13).

SSV Nümbrecht: Orth, Rydzewski (1) – Opitz (2), Benger (4), Urbach (1), Weissner (1), Meister (3), Sonka, Deilmann (2), T. Lang (1), D. Donath (3), Ufer, J. Lang (10/1), Weidemann (1).

MTV Köln: Vieker, Theisen – Bonstein (5), Kalisch (6/5), Epple, Hilbert (2), Göddertz, Diederich (1), Discher (5), Jebbink, Scholl, Bathen (2), König (7), Becker (1).

 

HSG Siebengebirge – TSV Bayer Dormagen II 31:31 (14:14).

HSG Siebengebirge: Kremer, Löcher – Andrassy, Runge (1), Dziendziol (8/4), Hayer, Marcinkovic (5/2), Ghussen (2), Krefting (5), Koch (4), Picard, Gebel (3), Sivanathan (3).

TSV Bayer Dormagen II: Broy, Müller – Pedack (5), Boehnert (1), Stein (8), Böckenholt (8/5), Kasper, Emmerich (1), Ostrowski, Szabo, M. Schmidt (3), Kremp (2), Weber, Sondermann (3).

 

TV Birkesdorf – TV Palmersheim 27:25 (15:14).

TV Birkesdorf: Kipsieker, Schroven – Pelzer (2), A. Ernst (4), Senden, J. Ernst (9), Ihmer, Botz (1), Risteski (8/4), Strücker, Grings, Perez Fernandez (1), Heinze (2), Bünten.

TV Palmersheim: Trimborn, M. Königshoven – Hensel, Fiedler (1), Schöller, Blesse, Lönenbach (2), Adolph (2), Schouren (8/4), Mayer, Schneider (1), Maeser (8), J. Grevelding, L. Königshoven (3).

 

Longericher SC II – ASV SR Aachen 37:24 (16:10).

Longericher SC II: Burggraf, Kromberg – Dibowski, Beste (5), Matysiak (1), Schiefer (4), Quetting (6), Kröger (3), Duckert (5), Malolepszy (4), Gottlob (7), Keil (1), Hoffmann, Falkenreck (1).

ASV SR Aachen: Vitz, Schnitzler – M. Monteiro Pai (3), Happersberger (2), Signon, Huckemann (5/1), Schumacher, Aguilera Lintz (3), Bauer, Kuckelkorn (1), Arancibia Diaz (1), Rietz (5), K. Monteiro Pai (2), Böckenholt (2).

 

Fortuna Köln – TV Rheinbach 31:32 (17:18).

Fortuna Köln: Scholl, Musacchio – Lux (5), Surlemont (6), Künkele (6), Stutzki, Lammer (2), Stabauer (7/5), Lehmann, Kötzle (3), Wechner, Bartke, Kruse (2), Gremmelspacher.

TV Rheinbach: Thürnau, Hoven – T. Schwolow (4/2), Pohl (3), Stürmann, Eusterholz (1), Schmitz (10/2), Hoffstadt (3), Bittner (7), L. Kazimierski (4).

 

TuS 82 Opladen II – TV Jahn Köln-Wahn 35:32 (17:15).

TuS 82 Opladen II: Trögel, Meusel – Flemm (6/4), Preiss (1), Bosdorf (4), Maurer (3), Kreutzer (10), Gerresheim (1), Ewen, Schuster (2), Munkel (6), Meuser, Dambacher (2), Ißling.

TV Jahn Köln-Wahn: Jung, Rotscholl – Hinteresch (2), Eberlein (1), Kluge (5), Bröxkes (4), Schultz, Giacobbe (3), Welter, Lange (8/4), Ruell (3), Westmeier (6).

 

HC Weiden II – HBD Löwen Oberberg 25:27 (11:14).

HC Weiden II: Keller, Reiter – Schröder, Kemper (6), T. Lütz (1), K. Lütz (2), Kuck, Pieper, Kraus (2), Leonhardt, Akintunde (5), Havers (5), Signon (2/2), Flossbach (2).

HBD Löwen Oberberg: Caber, Fraunhoffer – Mlynczak (5), Köster (3), Starcevic (2), Basic (6/2), Soldanski (1), Hudak-Domokos, Burazor, Schneider (3), Sauer (1), Krause (4/3), Müller (2).

 

Stolberger SV – Pulheimer SC 28:40 (15:22).

Stolberger SV: Keufgens, Schornstein – J. Frauenrath (4), M. Költer (2), Kilburg (2), Kleinhöfer (5), Lange (3), Lesker (1), K. Frauenrath (4), Lozano (2), Redding (4), Steiner, Y. Költer (1), Reinold.

Pulheimer SC: Lankert, O. Middell – Klueck (4), Semeraro (12), Jacoby (1), J. Giesen (8/2), Hampel (4), Geerkens (1), Romberg (3), T. Middell (6), Zank (1).