2. Bundesliga
Dormagen bleibt drin, Essen schielt auf den Pokal
Klassenerhalt des TSV Bayer ist jetzt trotz 26:32 gegen Potsdam hunderprozentig sicher. TuSEM peilt nach 33:32 in Hagen den zehnten Platz an.

So sieht es aus! Trainer Matthias Flohr (rechts) und sein Co-Trainer André Nicklas konnten zwar für die Dormagener auf dem Taktikbrett keinen Erfolg gegen Potsdam notieren, sich inzwischen aber über den festen Klassenerhalt für den TSV Bayer freuen. (Foto: Thomas Schmidt)

TSV Bayer Dormagen – VfL Potsdam 27:32 (11:15). Viel fehlte ja sowieso nicht mehr und am Ende durften die Dormagener die letzten theoretischen Zweifel sogar komplett abhaken, ohne selbst etwas dafür tun zu müssen nach der Niederlage gegen den Zweitligameister, der in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga zu Hause sein wird. Der TSV Bayer hat den Klassenerhalt sicher – unabhängig davon, ob er am Freitag beim TSV GWD Minden (15./25:39) und zum Abschluss am 1. Juni gegen den HC Elbflorenz Dresden (Vierter/39:25) was Zählbares auf sein Konto überweist – oder eben nicht. Trainer Matthias Flohr war am Ende des Duells mit dem Favoriten zunächst noch vorsichtig: „Wir haben ein tolles, temporeiches Handballspiel gesehen. Wir sind in der ersten Halbzeit von Potsdam ab und an überrollt worden. In der zweiten Hälfte waren sie abgezockt genug und haben uns nicht näherkommen lassen. Wir sind immer noch nicht durch und benötigen noch einen Punkt. Ich möchte mit einem Erfolg den Klassenerhalt finalisieren. Dafür werden wir kommende Woche wieder hart arbeiten.“ Was er da aber zunächst nicht fest in seine Rechnung einpreisen konnte, passierte gut 48 Stunden später, denn der Vorletzte TuS Vinnhorst verlor beim TV Großwallstadt (Zehnter/29:35) und steht bei 15:49 Zählern auf dem ersten der beiden Abstiegsplätze – und damit sechs Punkte hinter den Dormagenern, die bei zwei ausstehenden Spieltagen nicht mal mehr extrem theoretisch in irgendeine Form der Gefahr geraten können. Flohr, der in der nächsten Saison beim Bundesliga-Letzten und als Absteiger feststehenden HBW Balingen-Weilstetten arbeiten wird, kann seinem Nachfolger Julian Bauer (zuletzt SC Magdeburg/A-Jugend) den sportlichen Staffelstab für ein weiteres Jahr in der 2. Bundesliga übergeben. Damit ist das oberste Ziel für die gerade zu Ende gehenden Serie 2023/2024 erfüllt – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dormagen wird aller Voraussicht nach als Drittletzter durchs Ziel gehen: Die Lücke zum nächsten Gegner Minden, der tatsächlich nur eine Position besser eingestuft ist, sieht bei vier Zählern Rückstand zu groß aus. Das bei Punktgleichheit am Ende entscheidende Torverhältnis ist darüberhinaus bei GWD mit minus 21 wesentlich besser als jenes des TSV Bayer mit minus 50.

Mit ihrer Leistung gegen Potsdam konnten die Dormagener in der Summe ganz gut leben, obwohl ihnen mit dem 1:0 (2.) durch Lucas Rehfus nur ein einziges Mal die Führung gelang. Übers 3:1 (8.) nahm der Favorit das Heft in die Hand, ehe der TSV Bayer wieder auf 5:6 (14.) verkürzte und kurz darauf den 6:7-Anschluss (16.) herstellte. Verloren ging die Partie wohl bereits in den folgenden sechs Minuten, als die Hausherren ohne eigenen Treffer blieben, mit 6:11 (22.) in Rückstand gerieten – und fortan immer hinterherrannten. Das taten sie allerdings mit viel Leidenschaft, sodass sich der VfL seiner Sache lange nicht sicher sein durfte – 10:13 (25.), 12:15 (31.), 15:17 (34.). Nach dem 16:20 (28.) kam Flohrs Team beim 20:22 (44.) kurz auf zwei Tore heran, worauf Potsdam jedoch mit dem 23:20 (44.) und 24:20 (48.) reagieren konnte. Auf der Zielgeraden geriet der verdiente Sieg der Gäste aus Brandenburg dann nicht mehr in Gefahr, weil ihnen regelmäßig passende Antworten einfielen – 26:22 (51.), 28:24 (56.), 30:26 (59.). VfL-Trainer Bob Hannig wirkte trotzdem erleichtert: „In der ersten Halbzeit waren wir die deutlich bessere Mannschaft, hätten aber vom Ergebnis her noch mehr machen können. In der zweiten Hälfte war Dormagen die bessere Mannschaft. Wir hatten das Quäntchen Glück, dass sie nicht näher rangekommen sind und deswegen das Spiel nicht kippen konnten. Wir wussten, dass das hier ein schweres Spiel wird.“

TSV Bayer Dormagen: Oberosler, Simonsen – Reuland (1/1), Senden (2), Böhnert, Rehfus (7), I. Hüter, Reimer, Böckenholt (2), Schroven (4), Strosack (1), P. Hüter, Träger, J.-Chr. Schmidt (1), Steinhaus (6), Sondermann (3).

 

VfL Eintracht Hagen – TuSEM Essen 32:33 (15:20). Der Erfolg beim Fünften (38:26) war so nicht unbedingt zu erwarten – und er eröffnet den Essenern für die beiden restlichen Spiele kurz vor Toresschluss noch einmal eine neue Perspektive, weil sie sich vielleicht doch für den zehnten Tabellenplatz bewerben dürfen. Dort ist der TV Großwallstadt (29:35 Punkte/minus 45 Tore) der Anführer einer dichten Gruppe, zu der außerdem Essen (Elfter/28:36/minus 16), der TV Hüttenberg (Zwölfter/28:36/minus 21), die HSG Nordhorn-Lingen (13./28:36/minus 36) und der Dessau-Roßlauer HV (14./27:37/minus 27) gehören. Alle fünf kommen vor den beiden letzten Spielen für Rang zehn in Frage, der das letzte Zweitliga-Ticket für die Teilnahme am DHB-Pokal 2024/2025 bedeutet. Ob den Essenern in diesem Zusammenhang das bei Punktgleichheit entscheidende Torverhältnis helfen kann, wird sich bereits am kommenden Donnerstag wenigstens in groben Zügen zeigen: Da erwartet das Team von Trainer Michael Hegemann den TV Hüttenberg, der ja selbst in der Verlosung steckt und angesichts eines nicht viel schlechteren Torverhältnisses dieselben Chancen wie TuSEM hat. Daraus folgt:  Essen wird im Kampf um den zehnten Platz sehr wahrscheinlich sowohl sein letztes Heimspiel in dieser Saison gewinnen müssen als auch das Auswärtsfinale am 1. Juni beim VfL Lübeck-Schwartau (Achter/32:32). Gleichzeitig müsste Großwallstadt am Samstag beim TuS N-Lübbecke (Sechster/38:26) zumindest einen Punkt abgeben – was am 1. Juni gegen den abgeschlagenen Letzten und feststehenden Absteiger EHV Aue (10:54) eher nicht passieren wird. 

Der Sieg gegen Hagen war ein weiterer Beleg dafür, dass die Essener im Kalenderjahr 2024 auswärts deutlich besser unterwegs sind als in eigener Halle: Während in der Halle „Am Hallo“ fast traurige 2:12 Zähler und nur ein Sieg in der Bilanz stehen (30:27 gegen Vinnhorst), verbesserte sich Hegemanns Mannschaft „draußen“ auf 9:3 Punkte – bei vier Siegen, einem Unentschieden (28:28 beim Zweiten SG BBM Bietigheim/51:13) und einer bis heute erstaunlichen Niederlage in Aue (21:26). Der Erfolg in Iserlohn (Hagen war für diese als „Summer Game“ angebotene Partie in die größere Eissporthalle Seilersee ausgewichen) ging dabei gegen Ende wieder an einem seidenen Faden, obwohl Essen nach einer ausgeglichenen ersten Viertelstunde (17./10:10) klar den Ton angab – 13:10 (20.), 16:11 (23.), Nachdem Hagen auf 15:17 (27.) verkürzt hatte, gelangen den Gästen in den letzten anderthalb Minuten vor der Pause drei Tore zum 20:15 (30.) und in der zweiten Halbzeit sah übers 24:20 (39.) bis zum 27:21 (43.) alles nach einer klaren Angelegenheit aus. Das erwies sich allerdings als zunehmend größerer Irrtum, weil der VfL zunächst auf 24:27 (48.) herankam und selbst nach dem 26:30 (53.) oder 28:31 (56.) nicht geschlagen war – 30:31 (58.). Im Anschluss an die letzte Essener Auszeit (59.) gelang schließlich Dennis Szczesny das 32:30 (59.), bevor Max Neuhaus den VfL-Treffer zum 31:32 (59.) mit dem entscheidenden 33:31 (60.) beantwortete. In den restlichen 17 Sekunden konnte Hagen nur auf 32:33 verkürzen.

TuSEM Essen: Fuchs, Diedrich – Ellwanger, Kämper, Wilhelm, Homscheid (12/2), Asmussen (3), Eißing, Szczesny (3), Buschhaus, Klingler (6), Neuhaus (6), Kostuj, Mast (1), Werschkull, Schoss (2).